Sprache bei der Bahn

Die Sprache bei der Bahn ist immer schon sehr eigentümlich. Nicht nur das charmante Englisch und Denglisch, der meist durch starke Dialektfärbung geprägten MitarbeiterInnen, gibt immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Nein, auch das Deutsch der Bahn ist sehr extravagant und ambivalent.

Das die Bahn, die einst mit dem Slogan warb „Unternehmen Zukunft“, sich nicht gerne festlegt, merkt man nicht nur bei den Ankunfts- und Abfahrtszeiten. Bei der ICE-Anzeige für die Reservierungen heißt es da meist „ggf. reserviert„.

Gegebenenfall – das heißt soviel wie „mal sehen“, „vielleicht“, „lass Dich überraschen“, „mal gucken“…

Wenn die Bahn nur bezüglich ihres Kundenservices auch so locker wäre, d.h., wenn ich als Kunde auch öfter mal sagen dürfte „gegebenenfalls löse ich meine Fahrkarte vor Fahrtantritt“…

Ein weiteres tolles (Un-) Wort ist „voraussichtlich“ (bei der Bahn mit vsl. abgekürzt) – der Zug hat voraussichtlich 15 Minuten Verspätung, eine Reservierung wird aufgrund „vsl. starker Nachfrage“ empfohlen. Was heißt denn das „voraussichtlich“ – hat der Zug jetzt Verspätung oder nicht, gibt es starke Nachfrage bei der Reservierung oder nicht?

„Gegebenenfalls“ und „voraussichtlich“ – festlegen, eine Entscheidung fällen und eine klare Ansage machen, fällt offensichtlich der Bahn schwer. Naja, der Slogan „Unternehmen Zukunft“ war gar nicht so an den Haaren herbeigezogen – man wird es erst in der Zukunft erfahren!

Die englisch-denglischen Sprachversuche, weltmännisch und modern zu klingen, gibt es ja nicht nur bei der Bahn – da muss man sie durchaus in Schutz nehmen. Werbung bedient sich gerne englischer Slogan, wobei herauskam, dass ein Großteil der KonsumentInnen diese falsch übersetzt oder gar nicht versteht. Als Beispiel sei der Slogan „Come in and find out“ von Douglas genannt. Kunden meinten, er heiße soviel wie „Kommen Sie rein und finden Sie wieder hinaus“. Ein weiteres Beispiel der Slogan von Sat1 „Powered by emotions“ wurde von manchen fälschlich mit der nationalsozialistischen Parole „Kraft durch Freude“ übersetzt.

Wie beruhigend ist es zu wissen, dass ich bei der Bahn ggf. eine Information beim „Service Point“ checken und voraussichtlich ein „Ticket“ beim „Counter“ kaufen kann. Möchte man sich die Nase pudern, geht man zu „McClean“. Sollte ich nicht mit der Bahn fahren, dann kann ich auch die Bahn-Dienstleistung „Rent-a-bike“ in Anspruch nehmen. Ist die Frage, ob „Mietrad-Angebot“ besser klingt? Klingt „Schalter“ besser als „Counter“? „Auskunft“ flotter als „Service Point“?

Zumindest klingt es für unsere Ohren nicht so gewohnt, wie der Anglizismus.

Da sag ich „Senk ju und gutt bai!“

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