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Pädagogische Haltung 2: Memorandum des Kindes an den Erzieher

Ein Memorandum des Kindes an den Erzieher aus “Erziehen mit Maria Montessori”

  • Verwöhne mich nicht. Ich weiß sehr gut, dass ich nicht alles was ich verlange haben muss. Ich teste dich ja nur.
  • Hab keine Angst, bestimmt mit mir umzugehen. Ich ziehe es vor, dann weiss ich nämlich, woran ich bin.
  • Zwing mich nicht. Das lehrt mich, dass nur Macht zählt. Ich reagiere besser auf Anleitung.
  • Sei nicht wechselhaft. Das verwirrt mich und ich versuche um so mehr, alles zu erreichen, was ich will.
  • Mach keine Versprechungen. Es könnte sein, dass du sie nicht einhalten kannst. Das erschüttert mein Vertrauen zu dir.
  • Falle nicht auf meine Herausforderungen herein, wenn ich etwas sage oder tue, um dich aus der Fassung zu bringen. Dann werde ich versuchen, noch mehr solche „Siege“ zu erringen.
  • Sorge dich nicht zu sehr, wenn ich sage: “Ich hasse dich.“ Ich meine es nicht so. Ich möchte nur, dass es dir leid tut, wenn du mir etwas angetan hast.
  • Tu nichts für mich, was ich selber tun kann. Dann fühle ich mich wie ein Baby und werde dich weiterhin in meinen Dienst stellen.
  • Befasse dich nicht zu sehr mit meinen schlechten Gewohnheiten, das veranlasst mich, sie zu behalten.
  • Versuche nicht, mein Benehmen während eines Streites zu besprechen. Aus bestimmten Gründen kann ich zu dieser Zeit nicht gut zuhören und meine Mitarbeit ist noch schlechter. Du kannst ja handeln, aber besprechen sollten wir es später.
  • Versuche nicht zu predigen. Du würdest dich wundern,  wie gut ich weiß, was richtig und falsch ist.
  • Sag mir nicht, dass meine Fehler Sünden sind. Ich muss lernen, dass ich mir Fehler erlauben kann, ohne deshalb zu glauben, dass ich schlecht bin.
  • Nörgle nicht. Um mich zu schätzen muss ich tun, als ob ich taub wäre.
  • Verlange keine Erklärung für mein falsches Benehmen. Ich weiß wirklich nicht „warum“ ich es getan habe.
  • Stelle meine Ehrlichkeit nicht in Frage. Ich bekomme leicht Angst und erzähle dann Lügen.
  • Vergiss nicht, dass ich gerne etwas ausprobiere. Ich lerne dadurch, darum lass  mich doch.
  • Schütze mich nicht vor den Folgen meines Verhaltens. Ich muss aus Erfahrung lernen.
  • Schenke meinen kleinen Leiden nicht zu viel Aufmerksamkeit. Es könnte sonst sein, dass ich Leiden oder eine schwache Gesundheit schätzen lerne, wo sie mir soviel Aufmerksamkeit einbringt.
  • Eine ehrliche Entschuldigung erzeugt in mir warme Gefühle dir gegenüber.
  • Deute nie an, dass du perfekt und unfehlbar bist. Du wärst ein zu großartiges Vorbild für mich.
  • Sorg dich nicht, dass du zu wenig Zeit für mich hast. Was zählt ist, dass wir diese Zeit miteinander verbringen.
  • Werde nicht ängstlich, wenn ich mich fürchte. Zeige mir lieber Mut.
  • Vergiss nicht, dass ich mich ohne viel Ermutigung und Verständnis nicht entwickeln kann. Behandle mich, wie du deine Freunde behandelst, dann werde ich auch dein Freund sein.

mariamontessori

Quelle: http://montessori-montelinos.de/ein-memorandum-des-kindes/

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Der Ort, wo der Himmel die Erde küsst

Eine alte Legende erzählt, dass es zwei Menschen gab, die überaus glücklich miteinander lebten. Sie waren zufrieden mit dem, was sie hatten und miteinander teilten. Ihre Liebe wuchs durch die Jahre ihres Zusammenlebens. Niemand konnte diese Liebe zerstören.
Eines Tages lasen sie in einem alten Buch, dass es da irgendwo in weiter Ferne,vielleicht am Ende der Welt, einen Ort gäbe, wo unermessliches Glück herrsche. Ein Ort sollte dies sein, so sagte das alte Buch, an dem der Himmel die Erde küsst.

Die beiden beschlossen, diesen Ort zu suchen. Der Weg war lang und voller Entbehrungen. Bald wussten sie nicht mehr, wie lange sie schon unterwegs waren; doch aufgeben wollten sie nicht. Fast am Ende ihrer Kraft, erreichten sie eine Tür, wie sie im Buch beschrieben war. Hinter dieser Tür sollte es sich befinden: das große Glück, das Ziel ihres Hoffens und Suchens. Welch eine Spannung war in ihnen. Wie wird er aussehen, der Ort, an dem der Himmel die Erde küsst, der Ort, an dem ein solches Glück herrscht? Sie klopften an. Die Tür öffnete sich. Sie fassten sich an der Hand und traten ein. Da standen sie nun – wieder mitten in ihrer Wohnung.
Am Ende dieses langen Weges waren sie wieder bei sich zu Hause angekommen.

Und sie verstanden:
Der Ort, wo der Himmel die Erde küsst, ist dort, wo die Menschen sich küssen.
Der Ort, wo der Himmel die Erde berührt, ist der Ort, wo Menschen sich berühren.
Der Ort, wo der Himmel sich öffnet, ist der Ort, wo Menschen sich füreinander öffnen.

Der Ort des großen Glücks ist der Ort, wo Menschen sich glücklich machen.
(nach einer Legende)

Wo Himmel und Erde sich berühren...
Wo Himmel und Erde sich berühren…

 

Spookyfilm’s Blog wünscht eine besinnliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit mit vielen glücklichen Momenten!

 

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Zum Nachdenken: Paulo Coelho’s Kolumne „Vom Freisein und vom Träumen“

Während ich in der Zeitschrift „Happinez“ (Nr. 8/2015) blättere, bleibe ich an der Kolumne von Paulo Coelho hängen. Es ist zwar ein längerer Text, aber ich lese ihn schnell durch und bin begeistert über die treffenden Worte zu einem großen Lebensthema: Der Sinnsuche!

Wir sind in unserem Alltag oft so gefangen, dass wir uns viel zu selten Zeit nehmen für uns und unsere Themen. Wir reflektieren uns zu wenig. Wir machen viel, weil man das „halt so macht“ in unserer Gesellschaft.

Toll auch, wie Coelho den Übergang in die Rente beschreibt. Ich denke, wir planen all unsere wichtigen Etappen im Leben, aber den großen Meilenstein der Rente und des Alters blenden wir (meist) aus.

Sollten wir nicht bereits heute wissen, wovon wir wirklich träumen, was uns Freiheit bedeutet und was unser Sinn im Leben ist?

Hier die Kolumne zum Nachlesen und Nachdenken:

„Manuel widmet sich ganz und gar seiner Arbeit, ohne sich je zu fragen, ob das, was er tut, sinnvoll ist. Er glaubt, umso geachteter zu sein, je mehr er zu tun hat. Seine Frau ist verstorben, die Kinder wachsen heran und gehen aus dem Haus. Manuel wird befördert. Und arbeitet fleißig weiter. Eines Tages jedoch ist es so weit: Manuel geht in Rente. Seine Kollegen vergießen ein paar Tränen, und er bekommt eine Uhr geschenkt.

Manuel kann nun endlich tun, wozu er Lust hat. In den ersetn Monaten als Rentner schaut Manuel häufiger in der Firma vorbei, hält mit den Ex-Kollegen ein Schwätzchen. Anonsten genießt er es, das zu tun, wovon er immer geträumt hat: Er schläft lange, geht am Strand spazieren, richtet sich in seinem mühsam abbezahlten Landhaus ein, entdeckt das Gärtnern für sich. Endlich hat Manuel alle Zeit der Welt. Mit seinem Ersparten unternimmt er weite Reisen – und schickt seinen Ex-Kollegen Postkarten. Weitere Monate gehen ins Land. Manuel lernt, dass das, was gepflanzt wurde, Zeit zum Wachsen braucht. Dass es nichts bringt, immer wieder nachzuschauen, ob der Rosenstrauch schon Knospen hat. Auch wird ihm eines Tages bewusst, dass alles, was er auf seinen Reisen gesehen hat, nur Landschaften aus dem Touristenbus gewesen sind, die er auf Fotos festgehalten hat. Mehr hat er von den fernen Ländern nicht in Erinnerung behalten – er war viel zu sehr damit beschäftigt, seinen Kollegen vom Zauber der Länder zu berichten, anstatt diesen selber zu erleben. Zu fühlen.

Manuel schaut sich die Nachrichten im Fernsehen an, liest noch mehr Zeitungen (er hat ja jetzt mehr Zeit), hält sich für äußerst gut informiert. Er kann nun bei Dingen mitreden, von denen er zuvor keine Ahnung hatte. Er sucht jemanden, mit dem er sich austauschen kann, doch alle, die für ihn in Frage kämen, stehen mitten im Berufsleben und haben keine Zeit. Manuel sucht bei seinen Kindern Trost. Sie gehen stets sehr liebevoll mit ihm um – schließlich war er ihnen ein guter Vater, ein Vorbild an Ehrlichkeit und Fleiß. Aber auch sie haben anderes zu tun, wenngleich sie es als ihre Pflicht ansehen, sonntags zu ihm zum Essen zu kommen.

Manuel ist ein freier Mensch. Nur: Was tun mit dieser so mühevoll errungenen Freiheit? Alle grüßen ihn, loben ihn, doch niemand hat Zeit für ihn. Ganz allmählich beginnt Manuel, sich nutzlos zu fühlen – trotz der vielen Jahre, die er gearbeitet hat und auch trotz seiner Familie. Eines Nachts erscheint ihm im Traum ein Engel: „Was hast du aus deinem Leben gemacht? Hast du es deinen Träumen entsprechend gelebt?“

Manuel wacht schweißgebadet auf. Was für Träume? Sein Traum war: ein Diplom bekommen, heiraten, Kinder haben, in Rente gehen, reisen. Wieso fragt der Engel so sinnlose Dinge?

Ein neuer Tag beginnt. Die Zeitungen. Der Garten. Ein wenig schlafen. Tun, wozu er gerade Lust hat – in diesem Augenblick merkt Manuel, dass er zu überhaupt nichts Lust hat. Manuel ist ein freier, aber unglücklicher Mensch. Er war stets zu beschäftigt gewesen, um über den Sinn des Lebens nachzudenken, während die Jahre vorbeiflossen. Er erinnert sich an den Ausspruch: „Er hat nicht gelebt.“ Ist es das, was ihm widerfahren ist?

Und doch, tief in seinem Inneren kommt er zu der Erkenntnis, dass es für Träume niemals zu spät ist…“

  • Paulo Coelho „Vom Freisein und vom Träumen“ – Kolumne in der Zeitschrift „Happinez“, Jahrgang 6, Nr. 8 – 2015

Siehe auch: Paulo Coelho auf Twitter / Blog von Paulo Coelho / Infoseite und Werke

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Alltagsphilosophie: Das Leben ist… wie ein Schweizer Käse

Immer wieder treffe ich Menschen, für die ist Leben mehr Last als Lust. Obwohl sie mitten im Leben stehen, scheinen sie auf das eigentliche noch zu warten. Auch wenn es ihnen nicht schlecht geht, sind sie oft am Klagen.

Als ob alles, was sie heute sind, erleben und haben, noch nicht das wirkliche Leben wäre.

Die Eltern sind schwierig, und an vielen der Freunde ist auch etwas auszusetzen. Die Liebe ist nicht das, was sie sich erträumt hatten. Und die Kolleginnen, der Pfarrer, die Stimmung im Stadtteil, die Zukunftsaussichten, das Wetter und …

Nichts ist einfach gut.

Ich muss dann immer an Schweizer Käse denken. Der hat ziemlich viele Löcher. Und doch schmeckt er lecker, mal zart und mild, mal herb und würzig. Und er macht satt – der Käse. Weniger die Löcher.

So ähnlich ist das mit meinem Leben: Wenn ich auf die Löcher schaue, könnte mir schwindelig werden. Was alles hätte werden können…

Was schiefgegangen ist in meinem Leben, das Scheitern, das Unglück und die Schmerzen… All die Holzwege, die ich gegangen bin… Die Gefahren, denen ich ausgesetzt bin – und die Menschen, die mir am Herzen liegen.

Frühling oder Finanzkrise? Advent oder ungerechte Politik? Weihnachten oder Piusbrüder? Klar – beides ist Wirklichkeit. Ich bin doch nicht blind!

Aber: Was nährt mich? Was lässt mich leben? Und die Menschen um mich herum? Was stärkt mir und anderen den Rücken? Was gibt mir/uns die Kraft zu kämpfen?

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Guter Mond, du gehst so stille…

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin, bist so ruhig und ich fühle, daß ich ohne Ruhe bin.Traulich folgen meine Blicke deiner stillen, heit’ren Bahn. Oh, wie hart ist das Geschicke, daß ich dir nicht folgen kann

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin, deines Schöpfers reiner Wille hieß auf dieser Bahn dich ziehn.

Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein; und ergieße Ruh und Frieden ins bedrängte Herz hinein.

Guter Mond, dir will ich’s sagen, was mein banges Herz erkränkt; und an wen mit bitt’rer Klage die betrübte Seele denkt.

Guter Mond, du kannst es wissen, weil du so verschwiegen bist, warum meine Tränen fließen und mein Herz so traurig ist.

Text: Karl W. Ferdinand Enslin , 1848
Musik: unbekannt , um 1795